Deutscher Schäferhund
Eine der beliebtesten Hunderassen
Der Deutsche Schäferhund, so wie wir ihn heute kennen, entstand aus einer planmäßigen Züchtung,
die bereits im Jahre 1899 gleich nach der Gründung des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV) e.V.
begonnen wurde.
Ziel war es, aus den mittel- und süddeutschen Schlägen der damals vorhandenen Hütehunde einen zu hohen
Leistungen fähigen Gebrauchshund zu erschaffen.
Zu diesem Zweck wurden die Rassestandarts festgelegt, die seit der Gründung des Vereins in den letzten
Jahrzehnten immer wieder überarbeitet und katalogisiert wurden.
Diese Rassestandarts beziehen sich nicht nur auf die körperlichen Beschaffenheiten des Hundes,
sondern auch auf sein Wesen sowie seine Charakatereigenschaften.
Denn um als guter Begleit-, Wach-, Schutz-, Dienst- sowie Hütehund geeignet zu sein,
sind Triebverhalten, Belastbarkeit und Selbstsicherheit genauso unerläßlich wie ein ausgeglichenes,
nervenfestes und gutartiges Wesen.
Der erste Rassestandard wurde am 20. September 1899 festgelegt.
Damals ähnelte der Deutsche Schäferhund im Körperbau eher dem heutigen Malinois.
Ganz im Gegensatz zu den heutigen „Schönheitsidealen“ bei denen das Hinterteil des Hundes abgesenkt
wurde, so daß es so aussieht, als sei der Hund ständig „auf dem Sprung“.
Auch in der Namensgebung wurde kurzzeitig herumgepfuscht.
Der britische Kennel Club, der Dachverband der britischen Hundezüchtervereine,
entschied sich nach dem Ersten Weltkrieg, bei dem die Deutschen sich nicht zum letzten Mal in der Welt
unbeliebt gemacht hatten, den Deutschen Schäferhund umzubenennen.
Sie fanden zwar den Hund ganz toll, wollten aber das „deutsche“ aus dem Namen streichen und so
entschieden sie, den Rassenamen in „Alsatian Wolf Dog“ (Elsässer Wolfshund) umzubenennen.
Diese Umbenennung wurde allerdings 1977 offiziell wieder rückgängig gemacht.
Obwohl der Deutsche Schäferhund ursprünglich dafür gezüchtet wurde, als Herdengberauchshund zu arbeiten,
trifft man ihn heute nur noch selten tatätsächlich als „Schäferhund“ arbeitend auf einer Schafsweide an.
Andere Berufsgruppen haben seine Talente entdeckt und so hat er schon lange umgesattelt und arbeitet
heute als Diensthund bei der Polizei, beim Militär oder beim Zoll.
Auch als Rettungshund sieht man ihn öfter.
In den Bayrischen Alpen hat er sogar als Lawinenhund den Bernhardiner abgelöst und durchstöbert nun an
seiner Stelle die Lawinen mit Leichtigkeit nach Verschütteten.
Als Blindenführhund ist er genauso treu und verläßlich wie als reiner Familienhund... solange die
zweibeinige Familie denn genauso sportbegeistert ist wie er und ihm eine Aufgabe zugeteilt hat.
Der Deutsche Schäferhund hat auch an privaten Hundesportarten Spaß wie Agility oder Obedience und
zählt weltweit immernoch zu einer der beliebtesten Hunderassen.
FCI-Klassifikation
Alternativname: Elsässer Wolfshund (veraltet)
FCI-Standart Nr. 166
Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde
Sektion 1: Schäferhunde
Arbeitsprüfung: mit
Berufsbezeichnung: Herdengebrauchshund
Von der FCI anerkannte Rasse seit: 01.01.1955
Publikation des gültigen offiziellen Standarts: 11.08.2010
Ursprung: Deutschland
Größe:
Rüde: 60 - 65 cm
Hündin: 55 -60 cm
Gewicht:
Rüde: 30 - 40 kg
Hündin: 22 -32 kg
Varietäten: Stockhaar und Langstockhaar
Beschreibung Erscheinungsbild
Der Deutsche Schäferhund ist ein mittelgroßer, leicht gestreckter Hund mit einem kräftigen und gut
bemuskelten Körperbau, trockenen Knochen und einem festen Gesamtgefüge ohne dabei plump zu wirken.
Kopf: keilförmig und trocken mit wenig gewölbter Stirn
Ohren: mittelgroße Stehohren, die aufrecht und gleichgerichtet getragen werden,
spitz auslaufend, mit der Muschel nach vorn gestellt
Augen: mandelförmig, mittelgroß, mit möglichst dunkler Augenfarbe und leicht schrägliegend
Nase: gerader Nasenrücken ohne Einsattelung oder Aufwölbung mit schwarzer Nase
Gebiss: kräftig ausgebildeter Ober- und Unterkiefer mit insgesamt 42 tief in die Zahnleiste
eingebetteten Zähnen (Scherengebiss) und dunklen, straffen und gut schließenden Lippen
Hals: kräftig, gut bemuskelt, ohne Wamme (lose Kehlhaut)
Körper: kräftig und gut bemuskelt
Oberlinie: Die Oberlinie verläuft vom Halsansatz über den Widerrist und über den Rücken bis
zur Kruppe ohne sichtbare Unterbrechung.
Widerrist: hoch und lang
Rücken: gerade, mäßig lang, fest, kräftig und gut bemuskelt
Brust: mäßig breit mit ausgeprägter, möglichst langer Unterbrust
Rippen: mäßig gewölbt
Kruppe: leicht abfallend, lang und geht ohne Unterbrechung der Oberlinie in den Rutenansatz über
Lende: breit, kurz, kräftig ausgebildet und gut bemuskelt
Rute: reicht mindestens bis zum Sprunggelenk und höchstens bis zur Mitte des Hintermittelfußes,
ist an der Unterseite etwas länger behaart und wird in einem sanft herabhängenden Bogen getragen
Gliedmaßen:
Vordergliedmaßen: gerade und parallel
Schulter und Oberarm: gleich lang, fest am Rumpf angelagert und kräftig bemuskelt
Ellbogen: weder ausgedreht noch eingedrückt
Unterarme: gerade, parallel, trocken und fest bemuskelt
Pfoten: rundlich, gut geschlossen und gewölbt mit harten Sohlen und kräftigen, dunklen Krallen
Hinterhand: parallel zueinender stehend, mit leicht rückständiger Stellung und annähernd
gleich langen und gut bemuskelten, kräftigen Ober- und Unterschenkeln
Sprunggelenke: fest und kräftig ausgebildet mit senkrecht unter dem Sprunggelenk stehenden
Hintermittelfuß
Pfoten: leicht gewölbt und geschlossen mit dunklen, harten Ballen und dunklen,
gewölbten und kräftigen Krallen
Gangwerk: Der Deutsche Schäferhund gilt als Traber und vermittelt durch ein raumgreifendes,
flach über den Boden gehendes Gangwerk den Eindruck einer mühelosen Vorwärtbewegung.
Haut: Die Haut liegt lose an ohne dabei Falten zu bilden.
Haarkleid
Der Deutsche Schäferhund wird in den Haarvarietäten „Stockhaar“ umd „Langstockhaar“ gezüchtet.
Fellvarianten:
Stockhaar mit dichter Unterwolle und geradem, fest anliegendem Deckhaar und
Langstockhaar mit langem, weichen und nicht fest anliegendem Deckhaar.
(beide Fellvarianten mit Unterwolle)
Stockhaar: Beim Stockhhaar-Typ sollte das Deckhaar möglichst dicht, gerade, leicht rauh und
fest am Körper anliegen.
Das Fell am Kopf einschließlich der Haare in den Ohren ist etwas kürzer,
genauso wie an der Vorderseite der Läufe und an den Pfoten und Zehen.
Das Fell am Hals ist dichter und länger und auch an der Rückseite der Läufe wächst das Haar länger.
Diese Partie mit den längeren Haaren reicht bis zum Sprunggelenk.
Langstockhaar: Beim Langstockhaar-Typ sollte das Deckhaar weich und lang und nicht fest
anliegend sein.
An den Ohren und Läufen wachsen „Fahnen“.
Die Oberschenkel der Hinterbeine sind buschig, genau wie die Rute, die nach unten hin ebenfalls eine
Fahnenbildung aufweist.
Am Kopf, einschließlich des Ohrinneren, sowie die Vorderseite der Läufe und Pfoten und Zehen
trägt der Hund das Haar etwas kürzer.
Am Hals dagegen trägt er es wieder länger, außerdem ist er dort so stark behaart,
daß das Fell schon fast eine Löwenmähne bildet.
Farben: Beim Deutschen Schäferhund kommen mehrere Farbvarianten vor,
obwohl nicht alle zur Zucht zugelassen sind.
Wünschenswerte Farben sind schwarz mit rotbraunen, braunen oder gelben bis hellgrauen Abzeichen,
sowie einfarbig schwarz oder grau mit dunkler Wolkung, schwarzem Sattel und Maske.
Die Nasenkuppe muß bei allen Farbvarianten schwarz sein, die Unterwolle ist bei allen Farben leicht
gräulich.
Unauffällige, kleine weiße Abzeichen an der Brust, sowie helle Innenseiten sind zwar zugelassen,
aber nicht erwünscht.
Als ungern gesehene Pigmentschwächen sind zu bewerten:
Eine fehlende Gesichtsmaske, helle bis sogar stechend wirkende Augenfarben, helle bis weißliche
Abzeichen an Brust und Innenseiten, helle Krallen oder eine rote Rutenspitze.
Ab und an werden auch vollkommen weiße Schäferhunde geboren, die keine Albinos sind,
da sie dunkel Augen haben.
Aber Albino oder nicht, die Farbe Weiß ist bei der Zucht des Deutschen Schäferhundes nicht zugelassen.
Hoden: Wünschenswert sind zwei normal entwickelte Hoden,
die sich vollständig im Skrotum befinden.
Fehler:
Jedwede Abweichung in Form und Farbe des oben beschriebenen Hundes wird in der Zucht als Fehler
angesehen, wobei man noch zwischen „schwerem Fehler“ und „disqualifizierendem Fehler“ unterscheidet.
Schwere Fehler:
Als schwere Fehler gelten alle Abweichungen vom Rassestandart,
die die Gebrauchsfähigkeit beeinträchtigen.
Beim Deutschen Schäferhund gelten folgende Körpermerkmale als fehlerhaft:
Ohrenfehler wie seitlich zu tief angesetzte Ohren, Kippohren, Schildspannerstellung der Ohren,
sowie nicht gefestigte Ohren,
erhebliche Pigmentmängel,
eine stark beeinträchtigte Gesamtfestigkeit,
sowie alle Arten von Zahnfehlern, die vom Scherengebiss abweichen,
soweit es sich dabei nicht um disqualifizierende Fehler handelt.
Disqualifizierende Fehler:
Als disqualifizierende Fehler gelten alle Abweichungen vom Rassestandard,
die den Hund von der weitern Zucht ausschließen.
Bei der Zucht des Deutschen Schäferhundes werden übermäßig ängstliche oder aggressive Hunde,
Hunde mit Verhaltensstörungen und Hunde mit deutlich ausgeprägten physischen Abnormalitäten
nicht zur Zucht zugelassen.
Im Einzelnen wären das:
- bissige und wesens- sowie nervenschwache Hunde
- Monorchiden und Kryptorchiden sowie Hunde mit deutlich ungleichen oder verkümmerten Hoden
- Hunde mit entstellenden Ohren- oder Rutenfehlern
- Hunde mit Missbildungen
- Hunde mit Zahnfehlern
- Hunde mit Kiefermängeln
- Hunde mit Über-bzw. Untergröße von mehr als 1 cm
- Albinismus
- Die Fellfarbe weiß (auch bei dunklen Augen und Nägeln)
- Langstockhaar ohne Unterwolle
- Langhaar (langes, weiches Deckhaar ohne Unterwolle, meist auf der Rückenmitte gescheitelt,
Fahnen an Ohren und Läufen und an der Rute)
Wesen: Der ideale Deutsche Schäferhund ist sicher und selbstbewusst, ausgeglichen, robust,
unbefangen, aufmerksam, mental und körperlich hoch belastbar, nervenfest, gutartig und führig.
Lebenserwartung: 10 – 12 Jahre
Gesundheit: Beim Deutschen Schäferhund sind sage und schreibe 77 genetische Erkrankungen bekannt,
von denen die Hüftgelenksdsyplasie (HD) die bekannteste ist, da sie überhaupt erstmals beim
Deutschen Schäferhund festgestellt worden war.
Desweiteren können Deutsche Schäferhunde an folgenden Krankheiten leiden:
- Ellenbogengelenksdysplasie (ED)
- Kongenitale Vestibularsyndrom
(eine Erbkrankheit des Innenohrs mit Gleichgewichtsstörungen und unter Umständen Taubheit)
- Pankreasinsuffizienz (Bauchspeicheldrüsenschwäche)
- degenerative Myelopathie (Neurologische Erkrankung, Zerstörung des Rückenmarks)
- Schäferhundpyodermie (Entzündung der Haut)
- Schäferhundkeratitis (Entzündung der Hornhaut im Auge)
Verwendung/Eignung: vielseitiger Gebrauchs-, Hüte- und Dienstgebrauchshund,
Sport- und Familienhund, Dienst- und Schutzhund, Rettungs- und Therapiehund, Blindenführhund, Hütehund
Aktivitäten: Der Deutsche Schäferhund ist ein aktiver Hund.
Um sein ausgeglichenes Wesen zu behalten, sind regelmäßige Bewegung wie Spaziergänge, Joggen,
Begleitung auf Radtouren, Schwimmen und Hundesport wie Agility unerlässlich.
Erziehung: Der Deutsche Schäferhund ist eine sehr lernfähige Gebrauchshunderasse.
Trotzdem sind bei der absolut notwendigen Erziehung Konsequenz, Geduld und Verständnis angebracht.
Mit seinem sicheren Sozialverhalten verträgt er sich sehr gut mit Menschen und sogar Tieren
(verschiedene Spezies, auch „Beutetiere“), sobald sie ihm als Familienmitglied vorgestellt wurden.
Was einmal zum Rudel gehört, wird beschützt und verteidigt.
Listenhund:
In Deutschland wird der Deutsche Schäferhund nicht als Listenhund geführt.
Verbreitung: weltweit, hauptsächlich Deutschland
(Zurzeit leben allein in Deutchland ca. 250.000 Deutsche Schäferhunde)
Kritik:
Seit einiger Zeit wird Kritik am neu gestalteten Körperbau des Deutschen Schäferhundes laut.
Ähnelte der Hund in seiner ursprünglichen Form noch dem heutigen Malinois,
so sorgt das umstrittene Schönheitsideal, das von den Züchtern der Hochzuchtlinien bevorzugt wird,
immer wieder für Diskussionen.
In den späten 1960 begannen nämlich bereits einige Züchter in der damaligen BRD mit einer
unübersehbaren anatomischen Umgestaltung des Deutschen Schäferhundes:
Die Hinterhand wurde stärker abgewinkelt, die Unterschenkelknochen länger, die Fußung verlagerte sich
nach hinten, der Rücken wurde rund und senkte sich ebanfalls so sehr ab, daß die Spitze der Rute
über den Boden schleift.
Der „moderne“ Deutsche Schäferhund wurde größer und massiger bei einer gleichzeitigen hyänenartigen
„Verkümmerung“ des Hinterteils, was zur Folge hat, daß der Hund für dieses fragwürdige Schönheitsideal
einen Großteil seiner viel gelobten Ausdauer, Sprungkraft und Wendigkeit sowie Agilität eintauschen
musste.
Galerie
Foto: Titelbild lächelnde Schäferhündin
Quadriflora77, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Grafik: Professor Canis Lupus in der Hundeschule
Foto: Schäferhund Kopf Profil
PROPOLI87, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Foto: Schäferhund Ganzkörper Profil
Desaix83, d'après le travail de Diego Sanz Siguero, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Foto: Deutscher Schäferhund, Stockhaar-Typ
Britchi Mirela, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Foto: Altdeutscher Schäferhund, Langstockhaar-Typ
© Ra Boe / Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Foto: Drei verschieden farbige Deutsche Schäferhunde. Links im Bild ein grauer, wildfarbener („wolf-sable“), in der Mitte ein schwarz-gelber Hund (Sattelzeichnung)
Silvana Langer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Foto: Zuchtziel moderne Struktur des Körperbaus beim Deutschen Schäferhund
Zwinger Vom Crackerjack, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Galerie:
Foto: Deutscher Schäferhund von 1950
not specified (except those with signature on image), Public domain, via Wikimedia Commons
Foto: Deutsche Schäferhündin mit ihren zwei Tage alten Welpen
Richard Gruber, Public domain, via Wikimedia Commons
Foto: Deutscher Schäferhund-Welpe, ca. 15 Wochen alt
22Balto22, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Foto: komplett schwarzer Schäferhund
Yama Zsuzsanna Márkus, CC0, via Wikimedia Commons
Foto: Deutscher Schäferhund arbeitet beim Zoll
SPC5 Vincent Kitts,, Public domain, via Wikimedia Commons
Foto: Deutscher Schäferhund in der Militärausbildung
Airman 1st Class Dana Butler, Public domain, via Wikimedia Commons
Foto: Deutscher Schäferhund spielt mit seinem Frisbee am Strand
Kirt Edblom from Kihei, Hi, United States, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Foto: Weißer Schäferhund
Ildar Sagdejev (Specious), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons